Der Herbst hat mittlerweile Einzug gehalten, die Tage werden wieder kürzer und der Sommer liegt hinter uns. Zeit also, einmal zurückzublicken auf das, was sich während der vergangenen Monate bei der Feuerwehr Kostheim im Bereich der Ausbildung getan hat.

Sommerzeit – das bedeutet vielerorts auch Sommerpause. Die Fußball-Bundesliga macht es vor: Der Spielbetrieb ruht, es wird durchgeschnauft und anschließend geht es gut vorbereitet in die neue Saison.

Bei der Feuerwehr sieht das etwas anders aus. Eine Sommerpause? Die gibt es bei uns nicht.

Denn Einsätze richten sich weder nach Jahreszeiten noch nach Ferienzeiten. Und auch unser Ausbildungsbetrieb läuft während der Sommermonate weiter. Schließlich müssen Wissen, Handgriffe und Abläufe regelmäßig trainiert werden, damit sie dann funktionieren, wenn es darauf ankommt.

So standen auch in diesem Sommer bei der Feuerwehr Kostheim wieder einige interessante und abwechslungsreiche Themen auf dem Dienstplan.

Wenn es auf Feld und Flur brennt

Ein Thema, das gerade in den warmen und trockenen Sommermonaten eine besondere Bedeutung bekommen kann, ist die Bekämpfung von Vegetationsbränden.

Und was lässt sich besser trainieren als eine Lage, die möglichst nah an der Realität ist? Auf einem bereits abgeernteten Feld konnten unsere Kameradinnen und Kameraden unter hohen Sicherheitsvorkehrungen verschiedene Maßnahmen bei einem Vegetationsbrand praktisch üben.

Für die Mannschaft bot sich damit die Gelegenheit, nicht nur theoretisch über das Vorgehen bei solchen Bränden zu sprechen, sondern die entsprechenden Abläufe unter möglichst realitätsnahen Bedingungen anzuwenden. Denn wie bei so vielen Dingen in der Feuerwehr gilt auch hier: Nur was regelmäßig geübt wird, kann im Ernstfall sicher abgerufen werden.

Besondere Gefahren auf und neben den Gleisen

Bei einem weiteren Übungsdienst ging es für unsere Einsatzkräfte an die örtlichen Gleisanlagen.

Einsätze im Bereich von Bahnanlagen bringen einige besondere Gefahren und Herausforderungen mit sich. Umso wichtiger ist es, die Gegebenheiten im eigenen Einsatzgebiet zu kennen. Deshalb wurden verschiedene Bereiche der Gleisanlagen gemeinsam in Augenschein genommen und mögliche Gefahrenstellen besprochen.

Dabei ging es auch um eine ganz praktische Frage: Wie kommen wir im Einsatzfall überhaupt schnell und sicher an die entsprechende Stelle?

Insbesondere dort, wo entlang der Bahnstrecke Lärmschutzwände errichtet wurden, können sich die Zugangsmöglichkeiten zu den Gleisen deutlich unterscheiden. Die vorhandenen Zugänge wurden deshalb gezielt betrachtet und auf ihre Bedeutung für einen möglichen Feuerwehreinsatz überprüft.

Besonders wertvoll war dabei, dass wir für diesen Übungsdienst auf Fachwissen aus den eigenen Reihen zurückgreifen konnten. Ein Kamerad unserer Einsatzabteilung ist beruflich als Notfallmanager bei der Deutschen Bahn tätig und konnte dadurch seine beruflichen Erfahrungen und sein Fachwissen direkt in die Ausbildung unserer Mannschaft einbringen – eine Kombination, von der am Ende alle profitieren.

Retten – und im Notfall auch sich selbst

Feuerwehr bedeutet in erster Linie, anderen Menschen in Not zu helfen. Gleichzeitig darf dabei eines niemals aus dem Blick geraten: die Sicherheit der eigenen Einsatzkräfte.

Deshalb stand bei einem weiteren Übungsdienst das Thema „Retten und Selbstretten“ auf dem Programm. Als Übungsobjekt diente uns dabei der Kostheimer Aussichtsturm.

Was passiert beispielsweise, wenn sich eine Einsatzkraft in einem höher gelegenen Bereich befindet und der eigentliche Rückzugsweg plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht? Für genau solche Notsituationen gibt es Möglichkeiten, sich selbst aus einem Gefahrenbereich zu retten.

Am Aussichtsturm wurde deshalb nicht nur die notwendige Theorie besprochen, sondern anschließend auch intensiv praktisch geübt. Ein Schwerpunkt lag auf dem Abseilen und der Frage, wie eine solche Selbstrettung sicher durchgeführt werden kann.

Mindestens genauso wichtig waren dabei die richtigen Feuerwehrknoten. Denn Seil, Ausrüstung und Technik helfen nur dann, wenn auch die notwendigen Handgriffe sicher beherrscht werden. Gerade unter Stress müssen solche Abläufe sitzen.

Auch für Lehrgänge gab es keine Sommerpause

Während unsere regulären Übungsdienste den gesamten Sommer über im gewohnten Rhythmus weiterliefen, nutzten mehrere Kameraden die vergangenen Monate außerdem dazu, ihre persönliche Ausbildung weiter voranzutreiben.

Hier gibt es gleich mehrere erfolgreiche Lehrgangsabschlüsse zu vermelden.

Phillip Marquardt, Franco Sapuppo und Oliver Stein absolvierten erfolgreich den Gruppenführerlehrgang an der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel.

Mit diesem Lehrgang haben die drei einen wichtigen Schritt in der Führungsausbildung der Feuerwehr abgeschlossen. Ein Gruppenführer übernimmt im Einsatz die Verantwortung für seine taktische Einheit. Neben feuerwehrtechnischem Wissen geht es deshalb insbesondere darum, Einsatzlagen richtig einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen, Aufgaben zu verteilen und die eingesetzten Kräfte sicher zu führen.

Noch eine Stufe weiter in der Führungsausbildung ging es für Tobias Kaiser. Er absolvierte an der Außenstelle der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Marburg erfolgreich den Zugführerlehrgang.

Hier steht das übergeordnete Führen mehrerer taktischer Einheiten im Mittelpunkt. Damit verbunden sind nochmals andere Anforderungen an die Beurteilung einer Einsatzlage sowie an die Koordination der eingesetzten Kräfte.

Für unsere Wehr bedeuten die erfolgreich abgeschlossenen Führungslehrgänge nicht nur neue Qualifikationen auf dem Papier. Mit jedem Lehrgang wächst auch das Wissen innerhalb unserer Mannschaft – und davon profitieren wir letztlich gemeinsam bei Übungen und Einsätzen.

Aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung

Besonders gefreut haben wir uns in diesem Sommer auch über einen erfolgreichen Lehrgang unseres Feuerwehrnachwuchses.

Jannis Zimmermann hat bei der Feuerwehr Wiesbaden den über fünf Wochenenden dauernden Grundlehrgang erfolgreich abgeschlossen.

Für ihn ist das ein ganz besonderer Schritt: Nachdem Jannis bereits mehrere Jahre Teil unserer Jugendfeuerwehr war, führt ihn sein Weg nun weiter in die Einsatzabteilung. Mit dem erfolgreich absolvierten Grundlehrgang kann er unsere aktive Mannschaft verstärken und ab sofort auch bei Einsätzen mit ausrücken.

Genau solche Entwicklungen freuen uns natürlich besonders. Denn sie zeigen, wie wichtig unsere Nachwuchsabteilungen – Bambinis und Jugendfeuerwehr – für die Zukunft der Einsatzabteilung sind. Aus Kindern und Jugendlichen, die mit Interesse und Begeisterung zur Feuerwehr kommen, werden mit der entsprechenden Ausbildung irgendwann diejenigen, die selbst Verantwortung übernehmen und für andere da sind, wenn Hilfe benötigt wird.

Feuerwehr kennt eben keine Sommerpause

Vegetationsbrand, Gleisanlagen, Selbstrettung, Feuerwehrknoten und dazu gleich mehrere erfolgreich absolvierte Lehrgänge parallel zu den zahlreichen Einsätzen – langweilig wurde es bei uns in den Sommermonaten also definitiv nicht.

Unsere Kameradinnen und Kameraden sind nicht nur dann Feuerwehrleute, wenn der Melder geht. Hinter jedem Einsatz stehen viele Stunden Ausbildung und Übung. Es wird gemeinsam trainiert, vorhandenes Wissen aufgefrischt, Neues gelernt und Verantwortung übernommen – und das alles ehrenamtlich neben Beruf, Familie und Alltag.

Denn am Ende müssen im Einsatz viele verschiedene Rädchen ineinandergreifen. Dafür braucht es eine gut ausgebildete Mannschaft und Kameradinnen und Kameraden, die bereit sind, sich kontinuierlich weiterzubilden.

Oder anders gesagt:

Freiwillige Feuerwehr ist ein Hobby ohne Pause.

Wir gratulieren Phillip Marquardt, Franco Sapuppo, Oliver Stein, Tobias Kaiser und Jannis Zimmermann ganz herzlich zu ihren erfolgreich absolvierten Lehrgängen!

Für die neuen Aufgaben und die damit verbundene Verantwortung wünschen wir euch viel Erfolg und stets die richtigen Entscheidungen.

Und egal, welche Einsätze in Zukunft auf uns warten, gilt für uns alle vor allem ein Wunsch:

Kommt immer gesund und unversehrt zurück!