{"id":90,"date":"2011-05-15T14:38:06","date_gmt":"2011-05-15T12:38:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feuerwehrkostheim.de\/ffk\/?page_id=90"},"modified":"2023-08-25T08:36:05","modified_gmt":"2023-08-25T07:36:05","slug":"90-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.feuerwehrkostheim.de\/?page_id=90","title":{"rendered":"Brandkatastrophe Fa. Linde 1971"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>Brandkatastrophe bei der Firma Linde<\/em><br \/>\n<em>Haushaltsm\u00f6bel AG in Kostheim<\/em><br \/>\n<em>23. Januar 1971<\/em><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Bew\u00e4hrungsprobe ihrer Geschichte bestand die Feuerwehr Kostheim w\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dften Brandkatastrophe der Nachkriegsgeschichte bei der Fa. Linde 1971.<\/p>\n<p>Am Samstag, den 23. Januar 1971, nachts um 22.10 Uhr alarmierte der Pf\u00f6rtner Sch\u00f6neck die Polizei und Feuerwehr, dass im Werk ein Brand ausgebrochen sei. &#8220;Nero 16&#8221; vom 6. Polizeirevier in Mainz-Kastel war in kurzer Zeit an der Brandstelle und gibt ebenfalls Alarm an die zust\u00e4ndigen Stellen. Die ebenfalls in kurzen Abst\u00e4nden eintreffenden L\u00f6schgruppen der Berufsfeuerwehr Wiesbaden und der freiwilligen Feuerwehr Mainz-Kostheim versuchten unter schweren Bedingungen und dem Einsatz von Sauerstoffmasken den Brandherd zu ermitteln. Das Feuer war in der F\u00f6rderbandhalle und breitete sich schnell aus. Schlechter Zugang, starke Rauchentwicklung, immer wieder auftretende kleinere Explosionen und brennender Kunststoffbelag erschwerten die Erkundungsbem\u00fchungen der Feuerwehr.<\/p>\n<p>Das Feuer breitete sich weiter aus und der Einsatzleiter gab sofort Gro\u00dfalarm. Um Mitternacht werden die Berufsfeuerwehr Mainz und alle freiwilligen Feuerwehren aus dem Rhein-Main-Gebiet alarmiert.<\/p>\n<p>Die Evakuierung benachbarter Wohngebiete wird vorbereitet. Acetylenflaschen und Nitrolackbeh\u00e4lter explodieren, Kunststoffmaterialien geben dem Feuer reiche Nahrung und f\u00f6rdern damit die Ausbreitung des Feuers. Die Flugplatzfeuerwehr der US-Airbase in Wiesbaden-Erbenheim, die Werkfeuerwehren der Firma Adam Opel AG R\u00fcsselsheim, MAN und Kupferwerke aus Gustavsburg und Caltex Raunheim, die freiwilligen Feuerwehren aus Ginsheim, Raunheim und andere Wehren sind mit Speziall\u00f6schger\u00e4ten und L\u00f6schfahrzeugen an der Brandstelle zur Hilfeleistung eingetroffen. Das DRK, der ASB, Malteser-Hilfsdienst, die DLRG und das Technische Hilfswerk sind ebenfalls mit 2 Medimobilen (Notarztwagen), Transportfahrzeugen, Sanit\u00e4tsanh\u00e4nger und etwa 24 Krankenwagen an der Brandstelle. Sechs Not\u00e4rzte und \u00fcber 100 Sanit\u00e4tskr\u00e4fte stehen bereit, da die Gefahr besteht, dass unter Umst\u00e4nden mit gr\u00f6\u00dferen Explosionen gerechnet werden muss.<\/p>\n<p>Da das L\u00f6schwasser aus dem Rohrnetz nicht ausreicht, wird das Wasser aus dem benachbarten Flo\u00dfhafen mit z.Zt. geringen Wasserstand, \u00fcber die Kostheimer Landstra\u00dfe zu den 1,5 km entfernten L\u00f6schpumpen gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Als im Morgengrauen des Sonntags, gegen 5.00 Uhr das Feuer fast unter Kontrolle ist, beginnt gegen 5.55 Uhr die Trag\u00f6die.<\/p>\n<div style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Chronik 5\" src=\"http:\/\/www.feuerwehrkostheim.de\/wp-content\/bilder\/chronik\/chronik_5.png\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Das in Vollbrand stehende Produktionsgeb\u00e4ude<\/p><\/div>\n<p>Pl\u00f6tzlich bersten Tr\u00e4ger des 2-st\u00f6ckigen Mittelbaues, die W\u00e4nde knicken zusammen und die Decken st\u00fcrzen ein. Ein gemauerter Brennofen st\u00fcrzt danach durch zwei Decken. Der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, Technischer Amtmann Kurt Windrich und eine Anzahl von Feuerwehrm\u00e4nner sind in den Tr\u00fcmmern des Geb\u00e4udes. Fieberhaft begannen die Rettungs- und Bergungsarbeiten. Zehn Feuerwehrm\u00e4nner konnten sofort befreit werden. Sie hatten Rauchvergiftungen, Verbrennungen 1. bis 3. Grades, Platzwunden und Knochenbr\u00fcche. mindestens 3 M\u00e4nner, darunter der Einsatzleiter sind noch unter den Tr\u00fcmmern. Sofort wird eingehend gepr\u00fcft, ob sonst keine Feuerwehrm\u00e4nner vermisst werden. Der Oberfeuerwehrmann Albert Scheurich der Berufsfeuerwehr Wiesbaden wird unter einem Tr\u00e4ger eingeklemmt gefunden. Als ein Notarzt eine Amputation eines Beines trotz akuter Einsturzgefahr vornehmen will, stirbt Kamerad Scheurich und mu\u00df tot zur\u00fcckgelassen werden. Auch der freiwillige Feuerwehrmann Kalr-Heinz Bremser liegt an einem noch unbekannten Platz unter den Tr\u00fcmmern. Bergungstrupps der Feuerwehren, Bundeswehrpioniere aus Wiesbaden-Schierstein, US-Pioniere der Pionierdivision in Darmstadt, Technisches Hilfswerk und Landespolizei sind mit Ger\u00e4ten sowie R\u00e4um- und Spezialfahrzeugen im Einsatz. Die Sch\u00e4ferhunde Prix und Axel der Suchhundestaffel kreisen die Fundstelle ein.<\/p>\n<p>Der junge freiwillige Feuerwehrmann Bremser der freiwilligen Feuerwehr Wiesbaden-Schierstein wird tot geborgen. Nach dem noch vermissten Technischen Brandamtmann Kurt Windrich suchen die Bergungstrupps unter schwierigsten Bedingungen, da immer wieder einst\u00fcrzende Bauteile die M\u00e4nne in Gefahr bringen. Endlich, gegen 12.00 Uhr Sonntags (24. Januar 1971) ist das Feuer unter Kontrolle. An vielen Stellen bestand Einsturzgefahr und gef\u00e4hrdeten die Nachl\u00f6scharbeiten. \u00dcber 1000 Mann waren im Einsatz. DRK, ASB und alle Hilfsorganisationen hatten Verletzte versorgt und die Wehrm\u00e4nner verpflegt.<\/p>\n<p>Au\u00dfer L\u00f6schwasserkanonen, Spezialfahrzeugen und Ger\u00e4t waren \u00fcber 25 L\u00f6schfahrzeuge im Einsatz.<\/p>\n<p><strong>Eingesetzte Kr\u00e4fte:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Berufsfeuerwehren: <\/strong>\n<ul>\n<li>Wiesbaden<\/li>\n<li>Mainz<\/li>\n<li>Frankfurt \/ Main: \u00a0\u00a0\u00a0 Opel R\u00fcsselsheim<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Werkfeuerwehren<\/strong>\n<ul>\n<li>MAN Gustavsburg<\/li>\n<li>Kupferwerke Gustavsburg<\/li>\n<li>Caltex Raunheim<\/li>\n<li>und weitere<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>US-Feuerwehr:<\/strong>\n<ul>\n<li>Flugplatzfeuerwehr Air-Base Wiesbaden-Erbenheim<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Freiwillige Feuerwehren:<\/strong>\n<ul>\n<li>Mainz-Hechtsheim<\/li>\n<li>Raunheim<\/li>\n<li>Gustavsburg<\/li>\n<li>Fl\u00f6rsheim<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>alle 13 freiwilligen Feuerwehren des Stadtkreises Wiesbaden<\/strong>\n<ul>\n<li>Biebrich<\/li>\n<li>Bierstadt<\/li>\n<li>Erbenheim<\/li>\n<li>Dotzheim<\/li>\n<li>He\u00dfloch<\/li>\n<li>Frauenstein<\/li>\n<li>Igstadt<\/li>\n<li>Kloppenheim<\/li>\n<li>Rambach<\/li>\n<li>Schierstein<\/li>\n<li>Sonnenberg<\/li>\n<li>Kastel<\/li>\n<li>Kostheim<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei den noch mehrere Tage dauernden Sucharbeiten nach dem vermissten Brandamtmann Kurt Windrich leisteten die Werkfeuerwehren der Firmen Dyckerhoff AG und Kalle AG Wiesbaden-Biebrich au\u00dferordentlich wirksame Hilfe.<br \/>\nKamerad Kurt Windrich wurde unter den Tr\u00fcmmern des gro\u00dfen gemauerten Brennofens und Deckentr\u00fcmmern endlich gefunden. Bei den Bergungsarbeiten hatte eine Privatfirma gro\u00dfe Dienste geleistet. Die bEtriebsleitung der Fa. Linde AG, unter F\u00fchrung von Herrn Dr. Polonius hatte sich alle M\u00fche gegeben, die L\u00f6sch- und Hilfskr\u00e4fte bei ihrer Arbeit mit Hilfsmitteln, Beratung und Unterst\u00fctzung der Brandstellenleitung bei auftretenden Fragen und Problemen zu helfen. Belegschaftsmitglieder gaben immer wieder zweckm\u00e4\u00dfige und n\u00fctzliche Tips und Anregungen an betriebsfremde Helfer.<\/p>\n<p>Au\u00dfer einer Anzahl leicht- und schwerverletzter Feuerwehrm\u00e4nner wurden nachstehende Feuerwehrm\u00e4nner tot geborgen:<\/p>\n<ul>\n<li><em><strong>Techn. Brandamtmann Kurt Windrich (53 Jahre)<\/strong><\/em><br \/>\nBerufsfeuerwehr Wiesbaden<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><em><strong>Oberfeuerwehrmann Albert Scheurich (27 Jahre)<\/strong><\/em><br \/>\nBerufsfeuerwehr Wiesbaden<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><em><strong>Feuerwehrmann Karl-Heinz Bremser (17 Jahre)<\/strong><\/em><br \/>\nFreiwillige Feuerwehr Schierstein<br \/>\nEs war sein erster Einsatz bei der Feuerwehr<\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #800000;\">Wir werden diesen Feuerwehrkameraden stets f\u00fcr das h\u00f6chste Opfer, das ein Feuerwehrmann geben kann danken und ihrer Gedenken.<\/span><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brandkatastrophe bei der Firma Linde Haushaltsm\u00f6bel AG in Kostheim 23. Januar 1971 Die gr\u00f6\u00dfte Bew\u00e4hrungsprobe ihrer Geschichte bestand die Feuerwehr Kostheim w\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dften Brandkatastrophe der Nachkriegsgeschichte bei der Fa. Linde 1971. Am Samstag, den 23. 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